Venturlog

Wie kann man ein Lied komponieren?

Posted on May 9, 2011 at 7:05 AM

Ich wurde schon mal gefragt, wie ich meine Lieder schreibe. Schreibe ich den Text zuerst? Fange ich mit der Musik an? Es ist immer unterschiedlich.


Vielleicht kann ich aber einen Einblick oder etwas Inspiration an allen geben, die sich für sowas interessieren. Daher stelle ich folgendes Projekt zum Lied-komponieren rein, welches ich vor ein Paar Jahren entwickelt hatte.


Als ich damit anfing, die Grundlagen der Musiklehre zu unterrichten, stellte ich fest, dass es nötig war, ein Ziel vor den Augen der Schülern und Schülerinnen zu geben. Es fehlte ein Endprodukt, worauf alles sich hinrichtete, was sie lernten. Deshalb dachte ich mir: Warum doch nicht allen den Auftrag geben, ein eigenes Lied im Laufe des Kurses zu komponieren.“ Also saß ich mich hin und schrieb alles genau auf, was mir als die beste Erklärung einfiel, um ein Lied zu komponieren.


Nun wünsche ich euch viel Spaß beim eigenen Lied schreiben. Beachtet bitte nur folgendes: Dies ist nicht eine Einleitung, welche es eins und für alle Mal erklärt, wie man ein Lied auskomponiert. Die Reihenfolge der Schritte habe ich nur so ausgewählt, denn es am Besten zu den Schritten der musikalischen Grundlagen passte, die ich unterrichtete. Daher dürft ihr die Schritte in der Reihenfolge machen, sowie ihr möchtet.


-Daniel Mollé

p.s. Bitte entschuldigt ihr mein Deutsch, wenn es welche Fehler gibt. :-)


-------------------------------------------------


Wie kann man ein Lied komponieren?


Bis zum letzten Unterrichtstag sollte jeder/e Student/in zum mindesten ein Lied vorbereitet haben, das im Form von einem "Leadsheet" ist.  Bei einem typischen Leadsheet gibt es nur eine Notenlinie, einen Violinschlüssel, ein Tonartvorzeichen, eine Taktangabe, eine Tempoangabe, eine ausgeschriebene Melodie – manchmal gibt es Liedtexte dazu – und Akkordsymbole, die die gewünschte Harmonien angeben.  Das Leadsheet gibt dem Ausführenden eine Idee, was der Komponist für eine Melodie und für Harmonien möchte, vielleicht auch was für einen spezifischen Stil erwünscht sei.  Aber genau wie der Ausführende diese Harmonien zusammen mit der Melodie spielt, und auch wie er selbst die Melodie spielt, ergibt sich je nach seiner Kreativität.


Beispiel: "I'll See You Again" © 2008 Daniel Mollé



 

Schritte:


1. Liedtext: Denk dir einen Liedtext aus und schreib ihn auf.  Den Text erstmal auf einem leeren Papierstück aufschreiben.  Dann auf Papier mit Notenlinien aufschreiben.  (Vergewissere dich, dass du genügend Platz am Anfang des ersten Notenliniensystems lässt, damit der Notenschlüssel, der Tonartvorzeichen und die Taktangabe alle passen.  Lass auch Platz am Anfang jedes folgenden Systems, nur damit der Schlüssel und der Tonartvorzeichen passen.)  Die Form des Liedes darf sein, sowie du willst.  Zum Beispiel: Intro, Strophe 1, Refrain, Strophe 2, Refrain, Bridge, Refrain, Outro.  Es ist jetzt erstmal o.k., wenn jedes einzelne System bis zum Ende mit Text gefüllt wird.  Zum Beispiel: Die Strophe muss nicht auf einem neuen System anfangen, wenn da noch platz auf dem System ist, bei dem das Intro aufgehört hatte.


2. Zeit:  Entscheide dich was für eine Taktart und ein Tempo du möchtest.  Zeichne dann auf dem Ersten System eine dazu passende Taktangabe, sowie in dem Beispiel oben.  Lass aber Platz zwischen dem Schlüssel und der Taktangabe, damit der Tonartvorzeichen dazwischen hineinpasst, welcher noch kommt.  Lies dir deinen Text laut vor, je nach deiner Taktart.  Während du das machst, markiere in den Text wo die Takten aufgeteilt werden.  Achte auf irgendwelche Zeitlücken zwischen Wörter in dem Text, die länger als ein Takt sind, und bezeichne diese Lücken mit leeren Takten.  Entscheide dich auch, ob du Auftakte an bestimmten Stellen in der Musik oder in dem Text möchtest.  Es ist jetzt erstmal kein Problem, wenn ein Takt nicht unbedingt bei einem Systemende aufhört, sondern beim nächsten System.  Ein Einzelstrich ( | ) teilt einzelne Takte auf und der Doppelstrich ( || ) teilt eines Absatzes Ende vom Beginn des nächsten Absatzes auf: Ein Absatz ist zum Beispiel dein Intro oder deine Strophe, etc..


3. Melodie:   Denk dir nun eine passende Melodie zu deinen Liedtext aus und entscheide dich welcher Tonartvorzeichen zu deiner Melodie am Besten passt, je nachdem wie deine Melodie Dur oder Moll entspricht.  Zeichne dann diesen Tonartvorzeichen zwischen den Schlüssel und die Taktangabe hin.  Wenn du ein Intro, Outro oder sonst ein Teil ohne Text in deiner Musik hast, dann denk dir auch eine Melodie dazu aus.  Da du deinen Liedtext schon auf das Notenlinienpapier aufgeschrieben hast, sollst du erstmal diese Stellen, die ohne Text sind, mit Fußnoten markieren, und sie dann erst am Ende des ganzen Textes ausnotieren.  Einfach mit Notenköpfen – noch keine Notenwerte auskomponieren – die einzelne Töne deiner Melodie über jede einzelne Textsilbe drüber ausnotieren.  (Wenn es sich 2 oder mehrere Töne über einer Silbe erscheinen, – dies heißt: Melisma – dann binde solche Töne mit einem Bindebogen).  Wenn es irgendwo ein Teil des Liedtextes länger ausgesungen wird, als es in einem Takt passt, dann notiere den zugehörigen Ton am Ende des Taktes und noch mal am Anfang des nächsten Taktes.  Binde die zwei Töne letztendlich mit einem Haltebogen zusammen.  Mach das weiter so, falls der Ton über mehrere Takte ausgehalten wird.


4. Harmonie:  Je nach deiner Melodie, denke welche Harmonien aus und bezeichne sie mit Akkordsymbole direkt über die Noten drüber.  Das Akkordsymbol sollte direkt und deutlich über der Note liegen, bei welcher es erst gespielt wird.  Stell dir fest, dass die Töne deiner Melodie, die zu dem Harmonie gehörig sind, vollständig das repräsentieren, was das Akkordsymbol eigentlich bezeichnet.  Harmoniefremde Töne sollen nicht teil der Akkordsymbol sein.


5. Notenwerte:   Entscheide dich letztendlich, was für Notenwerte jede Note in deinem Lied bekommt.  Achte darauf, was für eine Taktart deine Taktangabe fördert und ob es irgendwelche Töne gibt, die über einen oder mehreren Taktstrichen ausgehalten werden.  Wegen dem musst du jetzt viele deiner Wörter löschen und umbauen.  In den Wörtern, die mehrere Silben haben, muss jede einzelne Silbe mit einem Strich von der nächste Silbe getrennt werden.  Zum Beispiel: das Wort "Notenwerte" wird jetzt zu "Not-en-wer-te."  Die Silbe nur am ende eines Wortes – sowie auch Wörter, die nur eine Silbe haben – die entweder melismatisch sind oder einfach länger als ihr buchstabiertes Aussehen gesungen werden, bekommen einen Unterstrich, der bis dahin geht, wo diese Silbe nicht mehr gesungen wird.  Zum Beispiel: "Ich liebe das singen!" mag so werden wie "Ich____ lie - - - - be das Sing-en!_____ ".  Ein Satzzeichen kommt nicht erst nach einen Unterstrich hin, sondern direkt nach sein gehöriges Wort hin.


6. Das Endprodukt:  Jetzt, auf einem ganz frischem Blatt von Notenlinienpapier, notiere alles in der Reihenfolge, die du für dein Lied möchtest.  Erstmal den Notenschlüssel, den Tonartvorzeichen und die Taktangabe wie bei Schritt 1 aufschreiben.  Zähle die Takte in jedem Absatz deines Liedes und versuche jetzt die Absätze klar bei separaten Systeme zu notieren.  Zum Beispiel: Wenn dein Intro 4 Takte hat, dann versuche es geradzahlig mit 4 Takte auf einem System oder 2 Takte auf dem ersten System und 2 Takte auf dem zweiten System zu passen.  (Vergewissere dich, dass du den ganzen horizontalen Platz jedes Systems benutzt und keinen leeren Platz an den Enden lässt!)  Dadurch fängt deine erste Strophe schön auf einem neuen System an, ohne dass es am Ende vom selben System des Intros Ende anfängt.  Mach das weiter so mit allen Absätzen deines Liedes.  Dann kannst du endlich alles notieren, damit es schön aussieht:-)


© 2009 Daniel Mollé

Categories: None

Post a Comment

Oops!

Oops, you forgot something.

Oops!

The words you entered did not match the given text. Please try again.

Already a member? Sign In

0 Comments